Wege aus der Personalisierung

Warum zeigt mir Facebook die Status-Updates bestimmter Personen an, die anderer aber nicht? Warum liefert mir Google unter dem selben Suchbegriff andere Ergebnisse als meinem Kollegen? Online-Dienste haben immer seltener ein einheitliches, reproduzierbares Aussehen. Stattdessen unterscheiden sie sich von Anwender zu Anwender. Die Entscheidung, wie sich ein Dienst einem bestimmten Anwender präsentiert, treffen Algorithmen, die die Online-Inhalte auf unsere persönlichen Bedürfnisse zuschneiden sollen. Diese Algorithmen werten etwa aus, nach welchen Begriffen wir in der Vergangenheit gesucht haben oder wessen Status-Updates wir geliket und kommentiert haben.

Bei der Diskussion Algorithmen-Ethik auf der re:publica ging es um die Vorteile dieser Personalisierung, vor allem aber auch um die Probleme, die mit ihr einhergehen. Mercedes Bunz brachte den Status Quo auf den Punkt: „Es gibt kein Außerhalb der Personalisierung mehr.“ Online-Dienste böten keine Möglichkeit, ihre Personalisierungsalgorithmen zu verstehen und einzelne Parameter oder den gesamten Algorithmus auszuschalten.

Joerg Blumtritt betonte, wer bei der zunehmenden Personalisierung die Akteure sind – nämlich nicht irgendwelche Rechenoperationen: „Nicht Algorithmen treffen Entscheidungen, sondern ihre Urheber entscheiden, wie Algorithmen funktionieren.“ Zugegeben, das Zitat erinnert ein wenig an den dummen Satz der US-Waffenlobby, der den privaten Schusswaffenbesitz rechtfertigen soll: „Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen.“ Doch Joerg Blumtritt meint das Richtige: Wir dürfen Personalisierung nicht als unbeeinflussbare Vorgabe begreifen, die schon weiß, was sie tut. Es gilt, die Funktionsweise dieser Algorithmen immer zu hinterfragen.

Die Diskussion hinterließ vor allem Ratlosigkeit. Denn was bringt es, wenn sich die Podiumsteilnehmer darin einig sind, dass Facebook, Google & Co. personalisierte Inhalte als solche kennzeichnen und einen Button einbinden sollten, der den Personalisierungsalgorithmus auf Wunsch abschaltet? Auf freiwilliger Basis ist eine solche Transparenz-Offensive der Unternehmen kaum zu erwarten. Kein Wunder also, dass Stephan Noller gesetzliche Regeln hierfür forderte, auch wenn Mercedes Bunz den Ruf nach Gesetzen zurecht als typisch deutsch hinterfragte und darauf hinwiese, dass mögliche Regelungen immer nur im internationalen Rahmen sinnvoll sind.

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