Warum @grossspenden falsche Parteispenden verbreitete

Heute morgen hat mein Twitterbot @grossspenden verkündet, die FDP habe zwei gigantische Spenden in Höhe von 2,1 bzw. 1,3 Millionen Euro erhalten. Beide Zahlen waren falsch. Wie konnte es dazu kommen?

Seit eineinhalb Monaten informiert der Twitter-Account @grossspenden über Parteispenden, die über der Grenze von 50.000 Euro liegen und umgehend auf bundestag.de veröffentlicht werden müssen. Dafür besucht ein Python-Skript alle paar Minuten die Seite und schaut nach, ob sich etwas geändert hat. Heute registrierte der Bot um 8.03 Uhr zwei neue Einträge und twitterte: Die FDP hat von der Droege Group AG 2,1 Millionen und von der FKH Beteiligungs SE 1,3 Millionen Euro erhalten. Um 9.42 Uhr registrierte der Bot erneut zwei neue Einträge und verkündete diesmal: Die FDP hat von der Droege Group AG 100.000 Euro und von der FKH Beteiligungs SE 300.000 Euro bekommen. Wer bundestag.de besucht findet nur noch die letzten beiden Spenden.

Hat der Algorithmus versagt und die Zahlen zunächst nicht korrekt erkannt? Wie aus meinen Logfiles hervorgeht und wie mir der Bundestag inzwischen auch bestätigte, standen heute morgen für rund 100 Minuten falsche Angaben auf der Seite. Bei der „Übertragung der Vorlage“ sei „versehentlich eine Stelle zu viel eingetippt“ worden, so ein Sprecher. Der Fehler sei „nach seiner Entdeckung umgehend korrigiert“ worden.

Damit stimmten zwar die Angaben auf bundestag.de, doch die falschen Tweets waren in der Welt und wurden mehrfach retweetet. Der Fehler passierte zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Ich verbringe den Sommer für eine Weiterbildung in New York City, die beiden falschen Tweets gingen um 2.03 Uhr Ortszeit raus, die neuen Tweets, die mich auf den Fehler aufmerksam gemacht hätten, um 3.42 Uhr. Ich konnte erst gut zwei Stunden später reagieren und löschte die beiden Tweets mit den falschen Zahlen umgehend von Hand.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich in die Tweets des Bots eingreifen musste. Schon vor rund drei Wochen wurde eine Spende mehrfach vertwittert: Am 6. Juli zeigte die FDP eine Spende vom Autovermieter Sixt an, sie wurde einen Tag später gegen 9.10 Uhr auf bundestag.de veröffentlicht. In der Bezeichnung des Spenders verzichtete die Bundestagsverwaltung anfangs darauf, den Firmennamen und die Anschrift durch den sonst üblichen Zeilenumbruch zu trennen. Dementsprechend sieht der Tweet aus:

Wenige Minuten später änderte die Bundestagsverwaltung die Schreibweise, am Nachmittag des 11. Juli nahm sie noch einmal eine Änderung vor. Der Twitterbot erkannte beide Änderungen als neue Spende und verkündete sie entsprechend. Beide Tweets löschte ich zeitnah von Hand.

Angaben, die von Menschen eingegeben werden, sind immer anfällig für Fehler. Veröffentlicht bundestag.de falsche Angaben, übernimmt sie der Twitterbot. Das werde ich nicht in jedem Fall verhindern können, aber als Verbreiter trage auch ich Verantwortung, der ich gerecht werden möchte. Daher werde ich neue Sicherheitsmechanismen in den Bot einbauen, damit sich so etwas wie heute nicht wiederholen kann. Unter anderem werde ich bei Angaben, die verändert werden, den ursprünglichen Tweet automatisiert löschen lassen und einen Hinweis auf die Veränderung absetzen.

Update: 2. August, 13:30 Uhr

Die schon erwähnte Spende vom Autovermieter Sixt wurde auf Bundestag.de zunächst ohne korrekte Postleitzahl veröffentlicht, wie auch der Screenshot von Abgeordnetenwatch vom 7. Juli zeigt:

Das wurde heute gegen 8.15 Uhr korrigiert. Der inzwischen angepasste Twitterbot reagierte: Er erkannte, dass die Angaben einer Spende verändert wurden, löschte den ursprünglichen Tweet (weshalb er oben auch nicht mehr korrekt eingebettet werden kann), veröffentlichte zuerst einen Löschhinweis und anschließend einen neuen Tweet, der sich aus den veränderten Angaben speiste.

Was dann geschah, habe ich in Screenshots festgehalten: Die Angaben auf Bundestag.de wurden über mehrere Stunden immer wieder geändert. Das führte zu Massentweets. Ich habe den Twitterbot bis auf weiteres deaktiviert. Mir fehlt die Zeit, ihn für solche Spielereien anzupassen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.